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Impressionen - Meine Zeit an der BAKIP
Rede anlässlich des 25jährigen Jubiläums der BAKIP Hartberg
Sehr geehrte Festgäste!
Ich freue mich, anlässlich der Jubiläumsfeier der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik hier zu stehen und Ihnen Impressionen aus vergangenen Zeiten geben zu dürfen. Ich lade Sie ein, einen Moment lang inne zu halten und einer besonderen Geschichte zu lauschen.
Vor langer Zeit lag in der Mitte des Landes Tibet ein Kloster. Es ging die Kunde im Land umher, die Mönche dort besäßen ein geheimes Wissen und würden dieses in ihrer Schule auf eine ganz bestimmte Weise weitergeben. Dies erregte Interesse und Neugierde im Land. Immer mehr Suchende fanden in dem Kloster Aufnahme. Sie lernten und lebten dort für eine bestimmte Zeit.
Was die tibetanische Schule ausmachte war, dass die Schüler bei ihrem Eintritt ein Stück Land, einen Acker oder einen Garten anvertraut bekamen. Die Mönche standen den Schülern beim Bereiten der Erde, beim Säen und beim Bebauen bei und weihten sie in die Geheimnisse des Wachsens ein. Dazu gehörte neben vielem anderen das Säen zur rechten Zeit, die Geduld des Wachsenlassens, das Vertrauen in den Samen und den Boden und das Vertrauen ins Leben.
Die Schüler kamen oft in Bedrängnis. Andere Witterungsverhältnisse, Verschiebungen in den Jahreszeiten verlangten von ihnen immer wieder neues Eingehen, Verstehen und Handeln. Da schien es manchmal für sie, als hätte ihr Gelerntes nicht immer Gültigkeit.
In der Mitte des Klosters war auch ein Brunnen. Die Schüler bekamen zu ihrem Stück Land auch Schöpfgefäße und Krüge mit. Mit dem Brunnenwasser durften sie ihr Anvertrautes tränken. Manche meinten es zu gut, sie überwässerten. Andere wiederum waren zu sparsam, so konnte die Saat ihre Fülle nicht schenken. Doch mit der Zeit verstanden es die Schüler, das rechte Maß an Hingabe zu geben.
Die Schüler bemerkten Veränderungen an sich und aneinander. Auch den Mönchen war dies nicht entgangen. Sie wussten, die Weisheit, die ihnen selbst zu innerem Leben verholfen hatte, wirkte auch in ihren Schülern.
Dann ging die Lern- und Lehrzeit zu Ende. Es schmerzte die Mönche und Schüler, wieder Abschied zu nehmen. Dennoch machte sich in den Mönchen eine Freude breit. Sie wussten, in der Zeit ihres Hierseins im Kloster und in ihrem Tun mit der Erde waren die Schüler auch an ihr eigenes geheimes Wissen gekommen, das in ihrem Herzen lag.
Manchmal kamen Fremde Im Kloster vorbei und machten Rast bei den Mönchen. Immer wieder erzählten diese Fremden von wunderschönen Gärten und fruchtbaren Äckern an denen sie vorbeigekommen waren. Es machte die Mönche dankbar, demütig und still. Sie wussten, dass auf ihrem Leben und ihrer Arbeit ein großer Segen lag.
Als großen Segen möchte ich auch die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik hier in Hartberg bezeichnen.1986 durfte ich zum ersten Mal als Schülerin der ersten Klasse ein Stück Land an der BAKIP in Besitz nehmen. Ich erinnere mich noch ganz genau an den ersten Schultag.
„Kinder, ihr sollt Visionen haben von dem, was ihr erreichen könnt und wenn es Probleme gibt, wisst ihr, wo die Kanzlei ist“ so begrüßte uns Frau Direktor Herlinde Almer mit einem Funkeln in den Augen, welches Berge versetzen konnte. Es war ein kleiner Kreis, der sich im Foyer versammelt hatte, junge Menschen voll Neugierde und Wissensdurst, still und besonnen, liebenswert keck, junge Lehrer voll Tatendrang und Energie, den Schülern wohl gesonnen. Dazwischen Schulwart Gerhard Gotthard, der uns brummbärig streng zur Ordnung rief und Sekretärin Andrea Knöbl, die fortan für viele Jahre den Überblick bewahren sollte. Wie eine große Familie so zeigte sich die Schulgemeinschaft damals.
Es galt nun, das Stück Land, welches jeder von uns bekommen hatte, zu bebauen. Wissenschaftliche Fächer lehrten vom „Endoplasmatischen Retikulum“, von „in einer von Zeit als fließendes Kontinuum ausgehenden Epoche“ von Pythagoras und Kant. Musisch kreative Fächer betrachteten den „Blauen Reiter“, lauschten Carl Orff und Bob Dylan und brachten Karl Valentin auf die Bühne. Auch Bewegung und Sport kam nicht zu kurz. Als damals sportlich Unbegabte suchte meine Sportprofessorin jeden noch so kleinen Anlass, um mich zu ermutigen.“Schwimm, als ob es um dein Leben ginge, am Ende des Beckens wartet dein Märchenprinz!“
Die berufspraktische Ausbildung trug von Anfang an Früchte wenngleich es auch hieß, mit Fürsorge, Mühe und Liebe, das schnell zu einem Bäumchen herangewachsene Pflänzchen „Berufspraxis“ besonders zu hegen und zu pflegen.
In der Zeit der Adoleszenz erschien das Gärtnerdasein oft besonders mühevoll. Guter Boden war da, doch das Erwachsenwerden brachte den eigenen Garten mit all seiner Grün- und Blühkraft nur allzu oft in Bedrängnis. Wie gut war es da, sich von den Meistern der Lebensschule, den Lehrern, angeleitet, geführt und wenn es sein musste auch einmal getragen zu wissen. Unter den Schülern waren dieses starke Miteinander und die Fürsorge füreinander ebenso spürbar. In verschiedenen Sozialprojekten konnten wir die soziale Gesinnung vertiefen und nach außen sichtbar werden lassen. Unsere Gärten grünten und blühten.
Es sollte nicht das Bild entstehen, die BAKIP wäre immer ein von Unwettern verschonter, ideal friedlicher und dem Paradies naher Ort gewesen. Natürlich gab es Gewitterwolken, regen Funkenflug und Trockenzeiten in der Schulgemeinschaft. Im Nachhinein gesehen haben uns Unwetter näher zusammen rücken lassen und uns Schülern das Gefühl gegeben, dass wir wichtig sind, dass unsere Meinung und unser Wohlergehen zählt.
Der Brunnen, aus dem ich Wissen, Lebenserfahrung und Vielfalt an der BAKIP schöpfen durfte schien manchmal unerschöpflich - Redewettbewerbe, Reisen für ein vereintes Europa, schulpolitische Seminare für Schulsprecher, Kunst – und Kulturveranstaltungen, Reisen in die Wüste seien hier hervorgehoben. Ich wurde als Schülerin herausgefordert, das Leben in seiner Vielfalt zu wagen, meinen Lebenshorizont zu erweitern und mutig zu sein, auch wenn ich mir manches alleine nicht zugetraut hätte. Ein Satz meiner damaligen Didaktiklehrerin und heutigen Kollegin hat mein Schülerdasein und auch meinen Lebensweg intensiv geprägt: „Ich glaube an dich, du kannst das schaffen!“ und dafür sei dir, liebe Micha Preiß an dieser Stelle innig gedankt.
Heute habe ich die Seite gewechselt. Nach einigen Jahren als Kindergartenpädagogin, Didaktik- und Praxislehrerin habe ich meinen Platz im Schülerhort gefunden. Ich schätze die Freiheit in meiner Arbeit und meinem Wirken an der BAKIP, die mir meine Direktoren und Vorgesetzten in all den Jahren immer wieder neu zugestanden haben und zugestehen. Ich bin dankbar für das lebendige, offene und bunte Miteinander der Kollegen. Ich freue mich über die Arbeit mit den Schülern und kann vielleicht den mir anvertrauten Hortkindern ein wenig von dem zurück geben, was ich einst an der BAKIP erfahren durfte: ANSEHEN, WÄRME und DASEINSFREUDE
Abschließen möchte ich mit einem weisen Satz, der damals wie heute seine Gültigkeit hat: „Ich kann sein, der ich bin und werden der ich sein kann!“
Petra Ostermann
18. April 2008
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